Dienstag, 30. April 2013

Ich spreche auf der GWUP-Konferenz!

Obacht!

Vom 9. bis zum 11. Mai 2013 findet in Köln die Konferenz der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, kurz GWUP, statt. Die Veranstaltung trägt den Titel "Pseudotherapien" und von Akupunktur über alternative Psychotherapien bis hin zu meinem Steckenpferd, der Homöopathie, ist alles dabei.
Und über genau dieses Thema werde ich auf der Konferenz sprechen. Mein Vortrag heißt "Homöopathie und Pharmazie - eine Liebesgeschichte?" und wird sich um Lobbyarbeit, Apothekenbefall durch Esoterik und die Folgen dieser Zustände drehen.
Los geht's am Samstag, 11. Mai, um 9.15 Uhr (die Dauer beträgt etwa eine Stunde). Ich würde mich freuen, den ein oder anderen dort zu sehen - und falls das nicht klappt, bleibt noch die Videoalternative: der Vortrag wird nämlich aufgezeichnet und veröffentlicht.

Ich freue mich!

Mittwoch, 3. April 2013

Religion vergiftet.

In meinem Umfeld gibt es viele Menschen, die gläubig sind und nicht verstehen, wie ich von etwas so Harmlosen, ja, eigentlich Großartigem so abgestoßen sein kann; die sich verletzt fühlen von meinen harschen Äußerungen; die mich vielleicht sogar moralisch auf dem falschen Pfad sehen. Für all jene verfasse ich diesen Beitrag und erkläre, was ich an Religion für gefährlich halte und wieso ich sie rundheraus ablehne (und trotzdem - eigentlich sogar genau deswegen - ein guter Mensch sein will).

Die Kirche

Viel hiervon bezieht sich auf die katholische Kirche. Sie kenne ich am besten, da ich vor Jahren aus ihr ausgetreten bin - das heißt, ich war eine weitaus größere Anzahl von Jahren Mitglied dieser Institution (sogar ein gläubiges; meine Dekonversionsgeschichte findet sich hier). Das erste Argument, das einem Kirchenkritiker stets angetragen wird, ist, daß die Kirchen doch trotz all der schlimmen Vorfälle in der Vergangenheit Gutes tun. Drei Einwände dazu: erstens tut die Kirche weniger Gutes als gedacht. Als Arbeitgeber agieren sowohl katholische als auch evangelische Kirche in einer vom deutschen Arbeitsrecht weitgehend abgekoppelten Weise, was zur Folge hat, daß die Arbeitsbedingungen oft schlechter sind als in nichtkirchlichen Einrichtungen und daß überhaupt nur Menschen eingestellt werden, die dem von der Kirche als wertvoll angesehenen Lebensstil entsprechen (Link). Das ist diskriminierend und unwürdig, vor allem in Anbetracht der Tatsache, daß die Kirchen (zweitens) nur einen verschwindend geringen Beitrag zur Finanzierung solcher Einrichtungen leisten.
Der dritte Einwand ist ein Gedankenspiel. Man nehme an, man habe einen Freund - schon relativ lange, irgendwie war er schon immer da und man weiß eigentlich nur Gutes über ihn. Im Laufe der Zeit erfährt man, daß er früher etwas Schreckliches verbrochen hat aufgrund eines Weltbildes, das völlig verquere Elemente enthält. Es ist schon eine Weile her, aber das Weltbild hat sich eigentlich nicht groß geändert, obwohl Menschen deswegen ihr Leben lassen mußten. Wer würde zu einem solchen Freund sagen: "Ach, es ist mir egal, daß er damals schlimme Dinge getan hat und heute dieselben Werte aufrecht erhält; jetzt tut er ja nur noch gute Dinge!" Und wer würde das tun, wenn ans Licht käme, daß er sich weitere Fehltritte geleistet und versucht hat, selbige zu vertuschen?
Die Antwort müßte lauten: niemand. Sie lautet aber: die gesamte Anhängerschaft der katholischen Kirche (siehe dazu auch: sehr gute und wichtige Lektüre!). Es ist nicht abschätzbar, wie viele Menschen im Namen des Kreuzes gestorben sind. Und jedem, der das als "alte Kamellen" abtut, sei empfohlen, sich den Wert auch nur eines Lebens kurz zu vergegenwärtigen. Es könnte Ihr Kind sein, das mißbraucht wurde. Es könnte Ihre Mutter sein, die schreiend auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Es könnte Ihr Mann sein, der wegen Ketzerei gefoltert wurde. Es könnte Ihr Sohn sein, der in einem Religionskrieg als Kanonenfutter mißbraucht wurde. Tausende, nein, Millionen von Menschen, deren eines kurzes Zwischenspiel als Lebewesen grausam abgebrochen wurde - und das alles für ein Wesen, dessen Existenz seit Jahrtausenden unbelegt ist, genau wie die hunderter Götter davor. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Islam (einige Suren des Koran genügen, um den Leser davon zu überzeugen, daß Misogynie und Gewaltbereitschaft hier an der Tagesordnung sind, was sich in Ländern wie dem Iran oder Saudi-Arabien leicht beobachten läßt)  und das Judentum. Frauen werden unterdrückt, Ketzer gesteinigt, Unschuldige gefoltert und Ungläubige getötet*, weil ein imaginäres Wesen es so will (oder vielleicht doch ihre machtgierigen irdischen Vertreter?)

Glaube vs. Religion

Ich war die ersten 15 Jahre meines Lebens selbst gläubig. Deswegen habe ich vermutlich eine andere Perspektive auf das Thema als viele Atheisten, die sich nie mit einer Gottesfigur in ihrem Leben auseinandergesetzt haben. Ich verstehe das Bedürfnis, einen Retter zu haben; ich verstehe den Wunsch, nach dem Tode nicht einfach zu verwesen; ich verstehe das Verlangen nach Gerechtigkeit in der Welt und einem tieferen Sinn im Leben: doch daß man etwas will, macht es noch lange nicht wahr.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Welt einfacher zu ertragen ist, wenn man hinter allem Unheil eine göttliche Erklärung vermutet. Und so gönne ich es jedem, der den Glauben braucht: an Gott, an eine weltimmanente Gerechtigkeit, an ewiges Leben. Nur muß er unbedingt die Grenzen anderer achten: denn nur weil er es braucht, braucht es deswegen noch niemand anders.
Organisierte Religion überschreitet diese Grenze, genau genommen ist es ihr Zweck, sie zu mißachten. Mit Öffentlichkeitsarbeit und politischem Druck versuchen alle großen Religionen seit jeher, sich auszubreiten und Kontrolle zu erlangen; ihre Verhaltensregeln anderen zu oktroyieren und so große Menschenmengen zu maßregeln. Das geschieht auf eine so lebensfeindliche, diskriminierende und die menschliche und gesellschaftliche Vielfalt unterdrückende Weise, daß mir schlecht wird. Nein, Kirchen sind nicht nur Orte der Zusammenkunft und des stillen Gebets: die Kirche ist eine Insitution, die menschenrechtsfeindliche Regeln für ihre Mitglieder (und am liebsten alle anderen) erläßt und so versucht, Kontrolle zu gewinnen. Organisierte Religionen sind bereit zu foltern und zu morden, um Recht zu behalten, sie begehen Verbrechen und rufen zu ihnen auf, sie propagieren Intoleranz und Feindschaft gegenüber Un- und Andersgläubigen und sie halten sich für moralisch unantastbar.

Moral vs. Dogma

Eines der Hauptprobleme ist das Verständnis von Moral, das Kirche und Gläubige haben. Viele Menschen sind erstaunt, wenn sie hören, daß ich mit aller Kraft versuche, ein guter Mensch zu sein und nicht unmoralisch zu handeln - daß es sogar überzeugte Atheisten gibt, die ehrenamtliche Arbeit leisten. Das macht mich fassungslos.
Wie kann man ethisch handeln, wenn man es doch nur tut, weil Gott es befiehlt? Es stimmt: kein Gott verbietet mir, Menschen zu ermorden, zu mißbrauchen, zu bestehlen oder zu belügen. Ich verbiete es mir. Mein Gewissen verbietet es mir. Mein Wunsch, mein kurzes Erdendasein als guter Mensch zu fristen, verbietet es mir. Ich versuche nicht, Gutes zu tun, weil Gott es so will, sondern weil ich es so will. Weil mein Gewissen es so will. Weil ich gut sein möchte. Und jeder, der nur auf "Gottes Befehl" handelt, ist mir ein Gräuel.
Warum? Weil solches Verhalten konstituiert wird durch eine von den großen Religionen propagierte Denkweise: Moral sei abhängig von Gottes Wille und nicht von tatsächlichem Glück oder Leid anderer. Das heißt aber, konsequent zu Ende gedacht, daß es auch moralisch ist, zu morden, wenn Gott es befiehlt. Und Gott befiehlt das, beispielsweise im Koran*. Menschen, die im Namen ihrer Religion morden, handeln innerhalb ihres Weltbildes vollkommen konsistent.
Wer hat sich nun ausgedacht, was moralisch ist und was nicht? Dazu sollte man sich die Natur der Sünde einmal vor Augen führen. Wer ist Sünder? Zunächst jeder, der seine Triebe befriedigt. Jeder, der es wagt, Gott zu leugnen. Frauen sowieso, denn sie sind ja Verführerinnen. Jeder, der aufbegehrt.
Was hat der Kleriker also am Schluß? Eine Horde folgsamer, kastrierter, ängstlicher Schafe, ihrer Meinungsfreiheit beraubt, die mit der Hölle rechnen müßen (und sie ggf. schon auf Erden bereitet kriegen), wenn sie nicht spuren. Praktisch, oder?
Und unglaublich grausam.

(Einschub: in Bangladesh protestierten tausende Gläubige für die Todesstrafe für atheistische Blogger. Nun wurden drei der "Delinquenten" festgenommen. Den Tod eines anderen zu fordern, weil er seine Meinung äußert - das würde wohl kaum ein Atheist je tun...)

Was macht das aus Menschen?

Religion und Religiosität haben die Macht, aus Menschen die hässlichsten Wesen zu machen. Viele sind selbst Opfer, weil sie als Kind oder in totalitären Systemen wie im Nahen Osten indoktriniert wurden und ihrerseits diese Form von Gewalt als normal ansehen und weitergeben, ja, sogar das Gefühl haben, es selbst so zu wollen. Man muß sich nur die vielen religiösen Konflikte, die heute noch auf dieser Welt herrschen, betrachten und schon erblickt man Menschen, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht mehr verdienen, so sehr sind sie von Hass und Intoleranz entstellt.
Männer, die voller Freude und lachend Frauen steinigen, weil sie sich ketzerisch geäußert haben. Kleriker, die glücklich darüber sind, einen Sünder körperlich zu bestrafen, weil sie das Gefühl haben, das Richtige zu tun. Menschen werden diskriminiert, weil sie einander lieben: der religiöse Einfluß ist selbst in westlichen und zivilisierten Ländern so groß, daß hier Homosexuelle nicht heiraten dürfen. In Uganda werden sie sogar verhaftet aufgrund Ihrer sexuellen Neigung und Liebe, in anderen Teilen der Welt sofort getötet. Frauen müßen sich verschleiern, weil sie sonst als Allgemeinbesitz gelten, was sexistisch beiden Geschlechtern gegenüber ist. Menschen werden verstümmelt. Unterdrückt. Ermordet. Menschen feiern den Tod ihrer vermeintlich in Sünde lebenden Mitmenschen. Jegliche Empathie erstirbt. Und all das sind keine Einzelfälle. Alles im Namen von Göttern, die es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt.

Gläubige, egal welcher Religion, fragt Euch nur eines: wenn Ihr Euch das Gedankenspiel erlaubt, daß tatsächlich kein Gott existiert - wie sehr habt Ihr dann Euer Leben im Gebet verschwendet? Und noch viel schlimmer: wie viele Menschen mußten ihr eines Leben lassen im Namen der Religion, die Ihr unterstützt?

Und deswegen verabscheue ich Religion so: weil ich die Menschenrechte schätze. Weil ich glaube, daß alle Menschen gleich viel wert sind. Weil die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes in meinen Augen gegen Null geht und ich finde, daß kein einziger Mensch Leid erfahren oder sogar sein Leben lassen darf im Namen eines imaginären Wesens.

_____________________________________________________
* "Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung (zum Unglauben) ist schlimmer als Töten." (Sure 2, Vers 191) - diese Sure wird als Grundlage dafür benutzt, daß im Iran die Dekonversion mit dem Tode bestraft wird.


Zum Weiterlesen: "god Is Not Great" bzw. auf deutsch: "Der Herr ist kein Hirte" von Christopher Hitchens.