Dienstag, 21. Mai 2013

OC-Lyrik

Markownikow, der alte Tor;
Er war ein Mann des Überschuß':
So kommt der Wasserstoff des Chlor
(Nicht aber das Proton der Fluß-

Säure) dorthin, wo doch schon
Zwei and're ihrer Art verweilen -
Ans hungrige Carbeniumion
Will liebestoll das Anion eilen!

Elektrophil, zu Düst'ren, tief
Greifen zwei der Säuren an
(Fluor nicht, es ist zu explosiv.
Und Iod nicht, weil es das nicht kann

Als Sklave seiner Lethargie).
Ach Welt, ach Mensch, ach Brom und Chlor:
Wir atmen, schauen, sind Chemie
Und doch so klug als wie zuvor.



- Claudia, 2013

Donnerstag, 16. Mai 2013

So war die Skepkon - für mich

Vergangenes Wochenende fand in Köln die Konferenz der GWUP statt, gemeinhin und auch im Folgenden "Skepkon" genannt. Wer mein Blog verfolgt (oder da war), wird wissen, daß ich am dritten und letzten der Konferenztage meinen Vortrag "Globuli und Pharmazie - eine Liebesgeschichte?" gehalten habe. Ich möchte gern schildern, wie ich diese drei sehr spannenden Tage erlebt habe - dabei werde ich nicht auf alle Vorträge eingehen, zumal ich unibedingt auch gar nicht alle verfolgen konnte.

Los ging es am Donnerstag, dem 9.05. mit dem Publikumstag. Dieser diente dazu, auch Nicht-Skeptiker über die Arbeit der GWUP aufzuklären und soweit ich das beurteilen kann, haben die Referenten diese Aufgabe hervorragend erfüllt. Alexa und Alexander von Hoaxilla führten auf gewohnt charismatische Weise in die Veranstaltung ein und zeigten im Rahmen ihrer Präsentation das breit gefächerte "Aufgabenfeld" der Skeptiker auf:: gerade weil der Fokus der diesjährigen Konferenz auf Gesundheitsthemen lag, stellte der Vortrag zum Thema "Düstere Legenden", also Urban Legends und ähnlichem, einen guten und notwendigen Gegenpol dar. Auch der Vortrag von Sebastian Bartoschek über die Arbeit von Ghosthuntern in Deutschland trug dazu bei und war überdies noch sehr interessant (und nein, das beste daran war nicht sein Striptease, auch wenn er das offenbar vermutete). Zum ersten Mal sah ich auch Mark Benecke, der auf eine sehr unterhaltsame Art Einblicke in seine Arbeit gewährte und auch sonst durch und durch ein Sympath ist. Mit ihm, Sebastian, den Hoaxillas, Sven Rudloff und Herrn Fnordwind sowie Cornelius Courts wurde abschließend der Abend in einer Kneipe verbracht. War sehr nett und ich fühle mich wirklich bereichert von meinen vielen neuen Bekanntschaften.

Vom Freitag verpasste ich den Großteil, da das Synthese-Labor rief (soweit ich mich erinnere, habe ich 4-Methoxyacetophenon gekocht). Ich kam jedoch rechtzeitig zum sehr interessanten Vortrag von Christian Weymayr, der ja mein "Lieblings"thema Homöopathie mit mir teilt. Er referierte über den Einfluss und die "Wirksamkeit" seines Buches "Die Homöopathie-Lüge", das ich im Übrigen nur empfehlen kann. "Kaum wirksam" lautete seine Konklusion, was schade ist - ich persönlich fand aber den zweiten Teil seines Vortrags interessanter und denke seitdem intensiv darüber nach, wie ich zum von ihm vorgestellten Konzept der "Scientabilität" stehe. Ich gebe zu, ein erster Impuls war, dem nicht zuzustimmen, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr erschließt es sich mir. In Kürze: Indem man die Homöopathie auch weiterhin in klinischen Studien testet, bietet man ihr eine Plattform inmitten seriöser Wissenschaft und verleiht ihr somit einen wissenschaftlichen Anstrich. Zudem ist es bei hunderten Studien statistisch einfach sehr wahrscheinlich, daß zwei oder drei mit signifikant gutem Ergebnis für Homöopathika dabei herauskommen (was dann ein statistischer Effekt und keiner des Mittels ist). Den nutzt aber die Homöo-Lobby, um ihre Mittelchen zu bewerben (auch wenn es sich hier, das sollte man sich klar machen, um Benefits handelt, die sich knapp über Placebo befinden, also noch meilenweit von "richtigen" Medikamenten entfernt liegen).
Klinische Studien sind also das "falsche Werkzeug", da zu fehleranfällig, um die Plausibilität homöopathischer Wirkmechanismen zu testen - viel wichtiger wäre Grundlagenforschung, die zeigt, daß so etwas überhaupt möglich sein kann; und dazu gehört, daß die Wirkmechanismen nicht allen Naturgesetzen widersprechen, die wir kennen (s. auch Ockhams Rasiermesser). Er plädiert deswegen dafür, keine weiteren klinischen Studien mehr vorzunehmen, in welchen Globuli getestet werden.
Ich halte das grundsätzlich für richtig. Natürlich denke ich, daß ich bei ausreichender Evidenz in der Lage wäre, einen Paradigmenwechsel anzuerkennen - aber dieser Fall ist nun mal äußert unwahrscheinlich. Und ich empfinde es auch nur zum Teil als Verschwendung, hunderte RCTs zu diesem Themenkomplex durchgeführt zu wissen - denn die überwältigende Mehrheit der Evidenz zeigt genau das, was sie zeigen soll; daß nichts wirkt, weil es nicht wirken kann. Mein Fazit ist aber dasselbe wie das von Herrn Weymayr: es sollte keine weiteren klinischen Studien mehr zu diesem Thema geben.

Der Samstag begann mit meinem eigenen Vortrag.


Es hat mir große Freude bereitet, vor so vielen Menschen zu sprechen: trotz der Uhrzeit (9 Uhr morgens) war der Saal beinahe voll. Worüber ich gesprochen habe, möchte ich hier nicht ausführlich darlegen: der Vortrag wird als Artikel sowohl im Skeptiker, als auch bei BlooDNAcid, als auch hier im Blog in Kürze (Anfang Juni) erscheinen. Offenbar waren einige Menschen erschrocken über das Ausmaß der Esoterikkontamination in meinem Studium. Das hat mir nur wieder demonstriert, wie abgebrüht ich diesbezüglich mittlerweile bin (und wie wenig diese Problematik medial aufgearbeitet wird). Nach meinem Vortrag bekam ich unglaublich viel positives Feedback, ein paar Worte der Kritik waren auch dabei. "Selbst beweihräuchert" habe ich mich und ich sei in meiner Eigenschaft als Irrationalitätsfeindin "überheblich". Das finde ich schade, versuche ich doch genau solche Dinge zu vermeiden. Das waren aber nur zwei Stimmen von dutzenden, von welchen die meisten positiver Natur waren.
Leider kam die Resonanz fast ausschließlich von Männern, was mich etwas irritiert hat, zumal das Publikum einen hohen Frauenanteil aufwies. Ich weiß nicht genau, wieso das so war. Vielleicht wirkte ich überheblich, vielleicht spielte das unschöne Phänomen der "Stutenbissigkeit" eine Rolle - oder vielleicht sind viele Frauen genauso sexistisch wie Männer und denken, daß eine Frau in einem netten Kleidchen nicht gut vortragen kann. Man weiß es nicht.

Nach meinem Vortrag wurde ich übrigens noch zur diskordianischen Päpstin ernannt (und heilig gesprochen), da während meines Vortrags die kaputt geglaubte On-Taste eines Mobiltelephons auf wundersame Weise ihren Dienst wieder aufnahm. Das macht mich schon ein wenig stolz.

Auf meine Präsentation folgten noch einige weitere, zum Teil ausgezeichnete Vorträge. Ich möchte aber davon absehen, sie zusammenzufassen, da interessierte Leser das an einigen anderen Stellen bereits tun können und dieser Artikel auch kein Roman werden soll. Stattdessen möchte ich mich gern nochmal an die zahlreichen Menschen wenden, die sich, sowohl nach dieser Konferenz als auch nach meinem letzten Artikel im Skeptiker in Form von Kommentaren, Mails oder anderen Nachrichten gemeldet und mir Feedback gegeben haben:
Vielen Dank für allen Zuspruch, alles Schulterklopfen, alles Lob - es stärkt mir den Rücken und ich freue mich über jedes dieser Worte, auch wenn ich dem oft nicht adäquat Ausdruck verleihen kann. Danke auch für Kritik und Anregungen - ich denke viel darüber nach und setze alles, was mir sinnvoll erscheint (und da versuche ich, ehrlich zu mir zu sein), gern um.

Und jetzt bin ich auch noch ins Twittergeschäft (@Claudia_Utopia) eingestiegen. Ich fand es großartig, daß die Skepkon-Besucher so fleißig getwittert haben. Hier ein kleiner Eindruck von der äußerst erfreulichen Twitter-Resonanz:


Mein Fazit: ein großartiges Wochenende mit vielen, vielen netten Menschen. Es gibt ein paar kleinere Probleme (so waren die weiblichen Referentinnen leider deutlich in der Unterzahl), aber alles in allem bin ich sehr angetan und bin und war dankbar für die Chance, dort sprechen zu dürfen.

Dienstag, 14. Mai 2013

Ich war im Radio.

Liebe Leser und damit Freunde der guten Unterhaltung,

im Rahmen der Nachberichterstattung zur GWUP-Tagung war ich am Montag, 13.05.2013, abends im Radio KölnCampus zu hören. Allen, die es unverzeihlicherweise verpaßt haben, stelle ich hier gern den Mitschnitt als youtube-Link zur Verfüung:



Eine ausführlichere Berichterstattung zur Konferenz folgt in Kürze; wer nicht mehr warten kann, sollte schonmal bei Cornelius nachlesen.

Samstag, 4. Mai 2013

Randnotiz: Es nervt.

Ich habe mich ja bereits zum Brüderle-Vorfall geäußert. Ich habe auch kundgetan, daß ich glaube, daß es viele Millionen Frauen gibt, denen es bedeutend schlechter geht als mir. Oder der betroffenen Journalistin. Dennoch glaube ich, daß man sich aufregen darf, wenn man als Frau wieder und wieder auf sein Aussehen reduziert wird, obwohl man von sich annimmt, daß der eigene Horizont das Spektrum der Lieblingsnagellackfarben deutlich überschreitet.

Gestern habe ich mich mit einer Skeptikerin darüber unterhalten, wieso so wenige Frauen hierzulande auf skeptischen und atheistischen Tagungen sprechen. Ich glaube, ein Grund dafür ist, daß es schwierig ist, als junge Frau vor einem größtenteils männlichen Publikum zu stehen und auch immer ein wenig zu erwarten, daß die eigene Optik eine überproportionale Rolle spielt. Daß man sich länger als fünf Minuten mit der Frage beschäftigen muß, was man zu einer solchen Veranstaltung anziehen soll, um nicht zu aufreizend herüberzukommen, um ernst genommen zu werden, ist traurig. Denn, wie schon an anderer Stelle erwähnt: Emanzipation sollte durchaus so weit gehen können, daß man hübsch aussehen und dennoch etwas zu sagen haben kann, ohne daß die Seriosität darunter leidet.

Geärgert habe ich mich deswegen auch über folgendes: die GWUP veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite die Nachricht, daß eine Zusammenfassung meines im Skeptiker erschienenen Artikels über Homöopathie, Anthroposophie und Hebammen nun auch im GWUP-Blog zu lesen sei. Der einzige Kommentar, der unter dieser Ankündigung stand, ist folgender:


Nein, ich freue mich nicht darüber, falls dieser Einwand nun kommen sollte (auch die Wortwahl, also "heiß", finde ich ziemlich unmöglich, unterscheidet es sich doch deutlich von einem simplen "gut aussehen" oder "hübsch sein"). Es ärgert mich, daß dies die einzige Quintessenz meiner Arbeit sein soll, zumindest in den Augen dieses einen Users. Ich kann mir schwerlich einen ähnlich aufgebauten Kommentar unter dem Artikel eines nicht gänzlich unansehnlichen männlichen Skeptikers/Bloggers/... vorstellen, der von einer UserIN verfasst wurde. Aber vielleicht liegt das nur an mir...

Nun, ich weiß, daß das "First World Problems" sind. Und ich weiß auch, daß ich sehr viel Resonanz, von Frauen wie von Männern, auf das tatsächlich von mir Erarbeitete und Geschriebene bekommen habe, was mich sehr freut(e). Aber dieser Kommentar, gestern abend, der hat mich einfach... genervt.