Mittwoch, 28. Januar 2015

Die richtigen Signale

Warnung: dieser Artikel kann Spuren von Polemik, Sarkasmus und ähnlichen Inhaltsstoffen enthalten.

Am 20./21. Januar besuchten Claudia Roth, ehemalige Parteivorsitzende der Grünen, und die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl den Iran und kamen damit einer Einladung aus Teheran nach. Das Programm war ein buntes: so traf sich Frau Roth mit Ali Laridschani, dem iranischen Parlamentspräsidenten. Der Mann, mit dem sie auf mehreren Bildern ein offensichtlich recht erfreuliches Pläuschchen hielt, ist ein ausgesprochener Antisemit und sich bei der Frage, ob es den Holocaust gegeben habe, nicht so ganz sicher (ach ja: der Zeitpunkt dieses Treffens, nämlich etwa eine Woche vor dem 70. Jahrestag des Befreiung der überlebenden KZ-Häftlinge aus Auschwitz, war freilich sehr durchdacht gewählt). Natürlich hat sie mit allen Menschen dort ganz doll geschimpft wegen der Menschenrechte. Bestimmt ist es ihr zu verdanken, daß während ihres Besuchs im Iran nur fünf Menschen hingerichtet wurden.

So ein lustiger junger Mann, der Herr Laridschani.
Zudem traf sie sich mit einer ehemaligen Geiselnehmerin, die jetzt ein hohes politisches Amt im Iran bekleidet, und trug dabei zu allem Überfluß auch noch ein Kopftuch - das ist es, worauf ich in diesem Beitrag eigentlich hinaus will. Unabhängig davon, daß ich persönlich (!) das Kopftuch für ein problematisches Symbol halte, war das eine Entscheidung, die viele Menschen verärgert hat. Ich halte den Shitstorm, der ihr und ihrer Kollegin Wöhrl entgegenschlug, für prinzipiell richtig, allein das Ausmaß (bis hin zu strafrechtlich relevanten Aussagen und Drohungen) war mal wieder pegida-esk übertrieben. Doch neben den üblichen am rechten Rand des politischen Spektrums herumlungernden Bierpatrioten haben sich auch richtige Menschen über diesen Fehltritt geärgert.
Zum Einen merkt das MFFB an, daß ein solcher Besuch, fein in geschlechtsneutralen Zwirn gehüllt und mit einem Dauergrinsen bewaffnet, den internationalen Druck auf dieses Land etwas lächerlich wirken lasse.
Außerdem haben sich die Frauen der Aktion "My Stealthy Freedom", die gegen die Zwangsverschleierung im Iran protestiert, ganz besonders gefreut, daß westliche Politikerinnen, die nicht dem Islam angehören, ohne Not dieses Unterdrückungstextil tragen und damit auch noch recht debil in die Kamera grinsen. Iranische Männer, die auf Staatsbesuch gehen, so argumentieren sie, weigern sich, an Empfängen teilzunehmen, auf welchen Alkohol ausgeschenkt wird. Wieso weigern sich Frau Roth und Frau Wöhrl dann nicht, ein Kopftuch anzuziehen? Weil es Teil des "politischen Protokolls" ist, wie Claudia Roth sagt. Dazu fällt mir ein Lied von Rage Against The Machine ein.
Also. Es gibt Frauen wie Claudia Roth.

Smile! You're on camera!
Und es gibt coole Frauen. Eine davon ist Michelle Obama. Die hat nämlich die Beerdigung des ehemaligen "Königs" (im 21. Jahrhundert! God dammit!) von Saudi-Arabien besucht und dafür ihre Indien-Reise unterbrechen müssen. Und genau so gut gelaunt sieht sie auf den Bildern auch aus. Was auf den Bildern, neben ihrem minimal entgleisten Gesicht, jedoch auch zu sehen ist: ihre Haare!


Und hier nochmal Frau Obamas Checkliste, was die Erwartungen an sie bezüglich der Kleiderordnung angeht:


Von Michelle Obama war erwartet worden, daß sie dem toten Machthaber in schwarzem Gewand und mit bedecktem Haar die "letzte Ehre" erweise, doch sie kam in Quietschblau und mit schicker Fönfrisur, was in der saudischen Twitterwelt für Empörung und bei mir für Freude sorgte. Auch in Saudi-Arabien herrscht Zwangsverschleierung für Frauen (wenngleich nicht zwingend für Staatsgäste), Frauenrechte hingegen sucht man vergebens. Ohne männlichen Begleiter das Haus verlassen, Auto fahren oder wählen sind - und bleiben, wenn man den Worten des neuen Königs Glauben schenken darf - Wunschträume der saudischen XX-Chromosomen-Trägerinnen. In einem solchen Land kein Kopftuch zu tragen hat wenig mit religiöser Respektsverweigerung, sondern vielmehr mit einem Statement für die Menschenrechte zu tun.

Und während eine Claudia Roth oder eine Dagmar Wöhrl duckmäuserisch die Appeasementkeule schwingen und in die Kamera grinsen, stellt sich eine Michelle Obama im blauen Kleid und mit betont angepisstem Gesichtsausdruck vor die saudischen Delegierten, die ihr mitunter nicht mal die Hand reichen, und ist... cool. Chapeau.

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