Mittwoch, 7. Januar 2015

Was darf Satire? Alles.

Das schrieb Kurt Tucholsky im Berliner Tageblatt im Jahre 1919. Heute zeigte sich nur scheinbar, daß das nicht stimmt: wer satirisch überden Islam berichtet, wird bestraft. Legitimiert fühlt man sich als Strafender natürlich von Allah höchstselbst. Dieser und sein Kumpane Mohammed sind sicher sehr froh, daß drei maskierte Rächer die Drecksarbeit machen. Allerdings müssen sie sich die Frage gefallen lassen, warum allmächtige Wesen die unverschämten Karikaturisten nicht einfach an einem Herzinfarkt, einer Hirnblutung oder einem Blitzschlag sterben lassen, sondern drei ihrer nichtigen Untertanen dafür brauchen.

Heute, am 7. Januar 2015, töteten drei maskierte Männer in der Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris und deren Umgebung insgesamt zwölf Menschen. Sie erschossen die Opfer mit Kalashnikows und schrieen dabei „Wir rächen den Propheten! Wir haben Charlie Hebdo getötet!“. Neben dem Chefredakteur und drei Karikaturisten kamen dabei noch mehrere Polizisten ums Leben. In der Zeitschrift waren regelmäßig Mohammed-Karikaturen abgebildet, die für Kontroversen in Frankreich und Europa sorgten, weswegen die Redaktion unter Polizeischutz stand. Ein Youtube-Video zeigt, wie die Männer, die aus ihrem islamistischen Hintergrund keinen Hehl machen, aus ihrem Auto aussteigen, gezielt Schüsse auf einen Polizisten abfeuern und, nachdem sie feststellen, daß dieser noch nicht tot ist, auf den sich windenden und die Arme hebenden Mann zumarschieren und ihm einen Todesschuß in den Kopf versetzen.

Empathie ist einer der wichtigsten Faktoren im menschlichen Miteinander. „Empathie“ bezeichnet das Einfühlungsvermögen; die Fähigkeit, sich in einen anderen Standpunkt hineinzuversetzen; das Vermögen, die Gefühle des Gegenübers nachzuvollziehen; die Betroffenheit, wenn ein anderer Mensch in Not gerät und den Impuls, in solchen Situationen zu Hilfe zu eilen. Dieses Einfühlungsvermögen sollte eine Basis des menschlichen Moralempfindens sein: es zielt darauf ab, menschliches Leiden zu minimieren. Von klein auf entwickeln wir diese Fähigkeit, sie konstituiert unser Gewissen und unser Verantwortungsgefühl. Menschen, die zur Empathie nicht fähig sind, empfinden wir oft als un- oder antisozial, mitunter sogar als psychopathisch. „Psychopathen“ oder Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung leiden dabei meist unter neurobiologischen Fehlfunktionen (Fehlregulation der Amygdala oder Reduktion der Großhirnrinde), welche für das Fehlen jeglicher Empathie verantwortlich ist.
Es gibt allerdings noch einen anderen Faktor, der einen ganz offensichtlich vergessen lässt, daß das Gegenüber ein fühlendes menschliches Wesen ist: Dogmatismus. Und dieser wird von zwei Personengruppen geradezu zelebriert: von politischen und religiösen (von diesen noch mehr, weitet sich doch deren "Tätigkeitsfeld" auch auf das Leben nach dem Tode aus) Extremisten. Was moralisch richtig ist, wird dabei nicht „von der Realität des Leids“ bestimmt, sondern von den Angaben in einem uralten Buch. Wer so denkt, kann auch im Namen Allahs Menschen töten.

Mich hat das Video des sterbenden Polizisten bis ins Mark erschüttert und große Übelkeit ausgelöst. Wer denkt, daß er das aushalten kann, möge hier klicken, um eine Aufnahme dieses Mannes zu sehen, wie er, Sekunden vor seinem Tod, flehend die Arme hebt und (auf dem Bild nicht zu sehen, im Video schon) dem Attentäter ins Gesicht blickt. Dieser ist davon vollkommen unbeeindruckt, marschiert auf ihn zu und schießt ihm in den Kopf. Wenn ich mir auch nur eine Sekunde lang vorstelle, wie sich der auf dem Boden liegende Mann gefühlt haben muß, könnte ich in Tränen ausbrechen. Aber die Überzeugung, im Namen einer Gottheit zu handeln und moralisch somit auf der richtigen Seite zu sein, lässt den Peiniger nicht einmal zögern. Deswegen halte ich Religion für so gefährlich: jeder Funke Mitleid ist eradiziert und das Gegenüber wird nicht einmal mehr als Mensch betrachtet. Das Fundament eines sozialen, gewaltfreien Miteinanders ist nicht vorhanden, wenn einer glaubt, er handele im göttlichen Auftrag. Wenn er einen Menschen tötet, weil dieser etwas gezeichnet hat.


 Der Chefredakteur von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier, genannt „Charb“, ist diesem niederträchtigen Anschlag ebenfalls zum Opfer gefallen. Er war mutig und machte mit seiner Provokation nie vor religiösen oder politischen „Gefühlen“ Halt. Ich halte dieses Konzept für gut: Menschen dürfen sich ruhig daran gewöhnen, daß ihre völlig arbiträr gewählten „Gefühle“ dieser Art nicht nur deswegen heilig sind, weil sie von irgendeiner Gottheit oder politischen/spirituellen/anderweitigen Eingebung stammen; nichts darf sicher sein vor Spott, oder, wie mein Mann es ausdrücken würde: es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu sein. Gäbe es dieses Recht, wäre die Meinungs- und Pressefreiheit schnell dahin – und die ist in demokratischen Gefilden grundsätzlich höher zu bewerten als die Eingeschnapptheit eines Einzelnen. Charb sagte 2012, nachdem eine erste Kontroverse über die Veröffentlichungen von Mohammed-Karikaturen in vollem Gange war: „Ich habe keine Angst vor Repressalien. Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keine Schulden. Das klingt jetzt sicherlich ein bisschen schwülstig, aber ich sterbe lieber aufrecht, als auf Knien zu leben.
Das mußte er heute tun. Aber die Pressefreiheit ist nicht gestorben, nicht einmal verwundet, im Gegenteil: mit ihrem Anschlag haben die Täter vermutlich genau das Gegenteil dessen erreicht, was sie wollten.


 Was soll man nun sagen zum Thema Islam? Ich kenne viele friedfertige Muslime, und erstmals werden auch die Stimmen gemäßigter Gläubiger hörbar, die (relativ laut) diesen Akt des Terrorismus verurteilen. Aber eine Religion, die mit großer Regelmäßigkeit und in hoher Zahl derart gewaltbereite Menschen hervorbringt, scheint ein grundlegendes Problem zu haben. Ist das der „wahre Islam“? Nein, sagen viele Gemäßigte in unseren Breitengraden, auch wenn es um ISIS geht. Aber wer legt das fest? Wenn man, wie ich, an keine höhere Gewalt glaubt, wer hat dann das Recht, den Menschen zu sagen, was der wahre Islam ist? Für die Attentäter ist das, was sie getan haben, mit dem Koran völlig vereinbar, und sicher fänden sich hunderte Stellen in diesem Buch, die das belegen. Der Islam birgt ein hohes Gewaltpotential in sich, wie es alle abrahamitischen Religionen tun. Nur befinden sich Christen- und Judentum weiter fortgeschritten in ihrer Entwicklung, der Islam frönt dem Sturm und Drang. Laut dem islamischen Kalender haben wir heute den 16.3.1436 – und man macht dem Datum mit seinem Gebaren alle Ehre.

Doch fast das Schlimmste haben die Attentäter sich und ihren Mitgläubigen selbst angetan: weltweit wächst nun eine irrational mit Fremdenhass verbrämte, hässliche Bewegung, die hierzulande ihren Ableger „Pegida“ nennt. Der Argwohn gegenüber Frauen mit Kopftuch oder Männern, welche die Moschee besuchen, wird weiter wachsen und rechtsextreme Idioten haben heute tonnenweise Wassers auf ihre Mühlen bekommen. 
Nein, liebe Islamisten, ihr habt Charlie Hebdo nicht getötet. Ihr habt die Pressefreiheit nicht getötet. Und das werdet ihr auch nicht schaffen.


Kommentare:

  1. Was es jetzt braucht: Tausende Muslime, die auf die Straße gehen! Das wäre das richtige Zeichen!

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  2. FSMhu akbar!

    https://fsmosophica.wordpress.com/2015/01/07/u-canmust-kill-me-now

    #Ramen

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  3. "Der große Mangel deutscher Köpfe besteht darin, daß sie für Ironie, Zynismus, Groteskes, Verachtung und Spott keinen Sinn haben." Otto Flake, Deutsch-Fanzösisches

    Schöne Grüsse aus der http://www.freidenker-galerie.de

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