Dienstag, 5. April 2016

Prinzipien, Probleme, PJ

Liebe Leser,

jetzt war es über ein Jahr lang komplett still um mich. Auch die Zeit vor dem an Impfgegner gerichteten Blogpost, der recht erfolgreich war, kann man bestenfalls als "lau" bezeichnen. Das hatte natürlich Gründe: Krankheits-, Stress- und vielleicht sogar ein kleines bißchen Prokastinationsgründe. Die Quintessenz des Ganzen ist nun jedoch, daß mein Leben sich dieses Jahr ziemlich ändern wird - und genau darüber möchte ich mich in diesem Blogpost auslassen.

Meine Laufbahn als klassische Hörsaal-Studierende neigt sich jetzt dem Ende zu; in wenigen Tagen beginnt das letzte Fachsemester vor dem zweiten Staatsexamen und dem PJ. Zudem werde ich im Sommer das Rheinland verlassen und nach Kiel ziehen. Also zückt schonmal die Taschentücher! Nun aber zur eigentlichen Problematik, der ich mich stellen muß: das Praktische Jahr. Das PJ ist der abschließende Teil des Pharmaziestudiums, in welchem der aufstrebende Pharmazeut mindestens ein halbes Jahr in einer öffentlichen Apotheke arbeiten muß - das andere Halbjahr kann er entweder bei der Bundeswehr, einer Krankenhausapotheke, der Farmerlobby pharmazeutischen Industrie oder an einer anderen geeigneten Stelle verbringen.


Ich will selbstverständlich als Soldat der Pharmaindustrie den Aluhutträgern da draußen mit schröckligen Schemikalien den Tag versüßen, doch das geht, wie gesagt, nur für sechs Monate. Für die übrige Zeit suche ich gerade mit großem Eifer eine Stelle in einer öffentlichen Apotheke. Und genau da beginnt das Problem: egal, welche Apotheke ich mir ansehe, überall wird mit alternativen Heilmethoden geworben. Natürlich, das gehört zum Leistungskatalog, ohne welchen eine Apotheke heutzutage nur schwer über die Runden kommt. Darüber habe ich an anderer Stelle ja schon ausführlich geschrieben.

Aber ich komme nun aus einer wissenschaftlichen Umgebung, habe mich vier Jahre lang mit Biochemie, Technologie, Pharmakologie und zuletzt auch sehr intensiv mit pharmazeutischer Chemie auseinandergesetzt (und es hat mir Spaß gemacht), sodaß es mir beinahe unerträglich vorkommt, ab Oktober Menschen geschütteltes Wasser oder anthroposophische Cremes zu verkaufen. Ich freue mich auf die Beratungstätigkeit; jeder, der mich kennt, weiß, daß ich äußerst gerne rede und berate, daß ich es liebe, hilfreich zu sein. Aber beinahe jede Apotheke zählt Beratung zu Themen wie Homöopathie und anderem Nonsens zu ihren Kernkompetenzen.

Ja, dann sollte ich mich doch einfach davon ausnehmen, oder nicht? Einfach sagen "Sorry, Freunde, Ihr könnt das ja verkaufen, aber wenn eine Person hierherkommt und eine Beratung zu dem Thema wünscht, bin ich leider raus!" Das wäre zwar schön, damit verkennt man aber komplett die Tatsache, daß ich, wenn ich da ankomme, ein ganz kleines Licht bin. Eine frisch abstudierte Anfängerin, die erst einmal lernen muß und wenig bis gar nichts zu sagen hat. In welcher anderen Branche kann ein Neuling zum Chef kommen und sagen "Ja, äh, das... mach ich nicht!" ? Natürlich in keiner. Auch nicht, wenn diese Weigerung wissenschaftlich basiert ist. Mein/e zukünftig/e Chef/in ist nämlich zwar in erster Linie ein/e Gesundheitsberater/in, aber eben auch Kauf- bzw. Geschäftsmann/frau, der/die Umsatz haben will.

Meinungen und Ansichten, die am Ende den Arbeitgeber Geld kosten können, kann man sich im ersten halben Jahr mit Sicherheit noch nicht leisten. Andererseits würde ich mich jeden Abend im Spiegel anspucken müssen, wenn ich auch nur ein "Medikament" dieser Sorte empfohlen hätte. Auf Bestellung und ohne weitere Beratung bzw. ohne "Sie wissen aber schon, daß das Bullshit ist?" derlei Zeug abzugeben, könnte ich vermutlich gerade noch ertragen. Oft genug wird man aber spezifisch nach Beratung gefragt, und dann kann man nicht jedes Mal wie ein aufgescheuchtes Reh zu den Kollegen springen und nach Vertretung verlangen.

Und sich eine bullshitfreie Apotheke suchen? Tja, könnte man machen, man hat dann nur ein Problem: die gibt es nicht. Man muß froh sein, wenn man überhaupt eine Apotheke im Umkreis findet, die PJ'ler für ein halbes Jahr annehmen. Was also tun? Prinzipien zu haben ist scheiße. Daß ich unter meinem Klarnamen darüber blogge, ist vermutlich auch nicht gerade das Klügste der Welt, aber nun, irgendwie muß man sein Gewissen ja beruhigen.

Zu den Aussichten:

  • Ich habe natürlich vor, über meine Erfahren in der Apotheke zu schreiben (selbstverständlich anonymisiert) und wieder etwas aktiver zu werden. 
  • Außerdem spreche ich am 7. Mai auf der Skepkon in Hamburg über Beautyprodukte und Humbug
  • Ebenfalls in Hamburg findet am 5. Mai die Podkon statt, wo wir als (L)Esostunde zugegen sein werden. Ebenfalls dabei: das Personal diverser anderer Podcasts wie Hoaxilla, Bartocast, Viva Britannia, Schlaulicht, OhrenNahrung, Das geheime Kabinett, Heißluftdampfer etc.
So long!

Kommentare:

  1. Sehr schöner Beitrag. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche nach einer bullshitfreien Apotheke ... Leicht wird's nicht, da was zu finden. (Hatte ich auch mal verbloggt, das Thema: https://buggisch.wordpress.com/2014/11/03/globuli-fuer-alle-faelle/ )

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  2. Liebe Claudia, ist zwar nicht gleich um die Ecke, aber bei mir bist Du als Pharmaziepraktikant immer willkommen. Ich denke auch fast, wir erfüllen deinen Bullshitfrei-Standard. Und hier darfst Du den Kunden gern die Wissenschaft näher bringen. ☺️

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  3. Sehr dumme Zwickmühle. Da wüsste ich auch nicht weiter. Als Bibliothekar kann ich immerhin ohne Sanktionen zu befürchten meine Meinung zur Höbadabadi abgeben, falls ich gefragt werde. Und ich kann dafür sorgen, dass ab und zu mal ein kritisches Werk angeschafft wird. Steht natürlich in keinem Verhältnis zum Restbestand. Viel Glück bei der Suche

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  4. Nur damit es auch mal in einem Kommentar gesagt wird: ich persönlich habe die Perspektive dieses Blogs über das Jahr vermißt und würde mir wünschen, dass es mit den Frontberichten aus den Untiefen der praktischen Pharmazie (auch gerne häufig!) weitergeht.

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  5. Finanz Beistand zwischen der privaten Maut.
    Ich bin GIUSEPPINA Eleonora, eine Frau in Christus mit den Kindern, und will ich ein Mann von der spanischen Nationalität von meinen Handlungen und begnadigt dies, dass mein Gott Hilfe mir Familien von der sehr minimalen Geste von einem Kredit von 3.000 zu 200.000 € zu einer Rate von 2% gegeben hat. Du bist Interessent der Menge und die Bedingungen von diesem letzten zu geben, wo können es würde, das Darlehen für die Danke bezahlen. e-mail: giuseppina.eleonora01@gmail.com. Selbst wenn es sich versucht „bleibt unser Bedarf“ einmal, zweimal oder nicht zu fuss kaum macht die Anwendung, Glauben, und Pfefferminzen zu haben Erwerb vor euerer Anfrage „Gott“ mit der zeit „Gott wendet.

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